|
|
|
|
|
Die schwarzen Männer aus dem Harthof |
|
Familie Menrad betreibt in dritter Generation eine
der letzten Kohlehandlungen Münchens
Harthof - Seit 50 Jahren weht Kohlenstaub über den nördlichen Harthof.
Früher mehr, heute weniger. In dritter Generation verkauft Franz Menrad
Brennstoffe aller Art. Auch Kohle ist nach wie vor im Angebot. Die Anzahl
der Münchner Kohlenhändler, früher ein florierendes Gewerbe, lässt sich
heute an zwei Händen abzählen.
Einst waren die Menrads beinahe eine Art Einsiedler: Der Betrieb steht auf
der ältesten Scholle des Harthofs. Südlich der Panzerwiese bewirtschaftete
um 1890 ein Direktor der Löwenbrauerei ein großes Gut, den Harthof, die
erste Ansiedlung überhaupt in der Gegend. 1927 erwarb die Stadt das Gut und
verpachtete es an die Familie Menrad. Franz Menrads Großvater Hermann kaufte
es der Stadt schließlich ab. Anfang der 50er-Jahre wurde aus dem Bauern
Menrad ein Unternehmer, er gründete einen Kohlehandel. Er belieferte
Feldmoching, Milbertshofen und das Frauenholz.
1954 übernahm sein Sohn Franz Menrad senior das Geschäft und machte es groß.
Kohleöfen wurden bald durch Ölheizungen ersetzt. Die Nachfrage nach Briketts
ging rasant zurück, die meisten Händler machten dicht. Anders Menrad: Er bot
zusätzlich Heizöl an und rettete den Betrieb über den Strukturwandel hinweg.
Später kam noch ein Getränkemarkt dazu.
Seit Januar dieses Jahres ist die dritte Generation am Ruder. Der 35-jährige
Franz Menrad junior leitet den Betrieb, sein Vater hat sich zur Ruhe
gesetzt. Menrad junior vertreibt weiterhin Heizöl, Briketts und Getränke. Er
weiß: "Öl ist nach wie vor die billigste Art zu heizen." Er glaubt an die
Zukunft des "schwarzen Goldes". Doch der Kohlehandel ist ihm ans Herz
gewachsen. "Mit Kohle haben wir angefangen, dem bleiben wir treu."
Zwei Arten von Abnehmern gibt es: Einmal Baumärkte, die im Sommer Grillkohle
und im Winter Briketts für Kachelöfen anbieten. Dann Privatleute, die nach
alter Väter Sitte heizen. Menrad: "In Schwabing gibt es noch viele
Altbauwohnungen mit Kohleöfen." Die Mieter seien meist im Rentenalter und
wohnten seit Jahrzehnten in ihren billigen, aber nicht modernisierten
Wohnungen. "Die können keine Kohlen mehr nach Hause schleifen. Für sie
liefern wir an." Das ist für Menrad aber nur ein Zubrot und hat viel mit
Tradition zu tun. Sein Geschäft macht er mit Heizöl. Das ehemalige Gut an
der Max-Liebermann-Straße 13 ist der Umschlagplatz, das Öl holt er mit
seinem Kesselwagen vom Tanklager an der Detmoldstraße und beliefert damit
die Haushalte. Zukunftsängste hat Menrad nicht: "Mollig warm haben wollen es
die Leute immer, egal wie voll ihr Geldbeutel ist." |
|
VON BEATE FREYTAG
|
|
zurück |
|